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EM-FPE — Ein lokaler Kräuterextrakt

Effektive Mikroorganismen sind ein fester Bestandteil unserer Gärtnerei. FPE (=Fermentierter Pflanzen-Extrakt) ist ein spannendes Mittel, das die regionale Flora, Fauna und Mikrobiologie berücksichtigt. Denn auf den Pflanzenblättern, die mit fermentiert werden sind ja sehr viele Mikroorganismen vorhanden, die Wirksamkeit der Kräuter wird in das Produkt integriert.

Es gibt solche Produkte auch in ähnlicher Zusammensetzung zu kaufen, allerdings sind diese natürlich nicht von der lokalen Fläche und mit wirklich regional/lokal-spezifischen Arten produziert. Auch kommerzielle Anbieter empfehlen, Kräuterextrakte nach Möglichkeit selbst herzustellen, da die Wirkung höher ist.

In EM Produkten für Tiere ist ein Kräuterauszug enthalten, ebenso wird in Pflanzenstärkungsmitteln Chili, Knoblauch und Ingwer verwendet. Andere Anbieter bieten EM-Schachtelhalm- oder EM-Brennesselextrakt an als spezifische Pflanzenstärkung.

Wir selbst haben in der Vergangenheit auch schon im Bokashieimer einen Saft-Extrakt aus Beinwell (Kaliumquelle), Brennesseln, Knolauch und Chili hergestellt. Auch hier haben wir EM-Urlösung und Wasser beigemengt und kalt fermentiert (ohne zusätzliche Heizung). Das Ergebnis war toll, es entsteht keine Geruchsbelästigung wie bei Jauchen. Sicherlich ist die Pflanzenwirkung jedoch an der Stelle die höhere als die der Mikroben, da die Vermehrung nicht unter kontrollierter Temperatur stattfindet und dadurch Milchsäurebakterien dominieren.

Wofür

Während EM-Aktiv für ein ausgeglichenes Mikrobenverhältnis auf Basis von einer fest definierten Urlösung und Melasse sorgt, kann ein Kräuterextrakt viel mehr leisten, ist aber spezifischer in der Anwendung. So kann der FPE die standortspezifischen Probleme besser behandeln (Stichwort Zeigerplanzen), ist aber in der Wirkung auch oft zu stark oder unerwünscht, zum Beispiel in der Jungpflanzenanzucht, die unter ganz anderen Bedingungen stattfindet als der Freiland-Gemüseanbau.

Anwendung

Wir wenden den FPE als Zusatzmittel zum normalen EM-Aktiv an. Je nachdem, mit welchen Zutaten FPE angesetzt wird, kann es EM5 / Schädlings-EM (mit Chili und Knoblauch) ersetzen oder ergänzen.

Herstellung

Wir setzen das Mittel zunächst einmal wie EM-Aktiv an und verwenden dazu: EM-Urlösung, in Warmwasser aufgelöste Zuckerrohrmelasse (ersetzbar durch umgerechnet 50% Gerstenmalzextrakt), gefiltertes, vitalisiertes Wasser, EM-X Gold Ursalz sowie für bessere Ergebnisse Kin-Mineral, GreenGold, EM-Keramik Vermehrungsstab. Das alles dient der Herstellung von hochwertigem und recht lang haltbarer Mikroorganismenlösung. Aktuell nutzen wir einen Titanheizstab mit externem Thermostat in einem HDPE-Plastikfass mit einem Gärspund zum fermentieren. Dieses Fass wird in Hanffaser-Thermopads eingepackt zur besseren Isolation.

Die Kräuter werden frisch geerntet und kleingeschnitten in die Flüssigkeit gegeben. Anschließend wird alles verschlossen und mindestens 7 Tage bei minimal 34, maximal 37,5 Grad Celsius fermentiert. Der Extrakt ist fertig, wenn ein pH-Wert von unter 3,5, besser 3,2 erreicht wurde. Das kann mit Lackmuspapier getestet werden.

Wir füllen die fertige Flüssigkeit in Bag-In-A-Box Tüten ab, das geht einfach mit einem Trichter und sorgt für Luftabschluss. Dadurch wird eine lange Haltbarkeit sichergestellt, denn EM-Lösung verliert bei Sauerstoffzufuhr schnell seine Zusammensetzung und dadurch Wirkung — es handelt sich ja um ein hochlebendiges Produkt.

Anmerkungen zur Eigen-EM-Fermentation

Ganz kurz möchten wir auch die Fermentation eingehen: Es gibt fertig zu kaufende Fermentersets. Die kann ich für den Hausgebrauch auch empfehlen, ein Eigenbau kommt meist nicht günstiger, ist aber mehr Arbeit. Wer mehr Mengen braucht (Landwirte, Großgärtner), dem sei ein Eigenbau empfohlen. Hier kann man besser die passenden Gefäße, Heizmethode und anderes nach eigenem Belieben aussuchen.

Stromquellen und Elektrosmog sind vom Fermenter fernzuhalten. Das verwendete Wasser muss chlorfrei sein und sollte von guter Qualität sein, ansonsten kann man das Wasser 1 Tag stehen lassen und immer wieder mit sauberem Werkzeug, zum Beispiel einem Mixer, mit Sauerstoff beleben und dadurch verbessern. Wenn das Ergebnis nicht säuerlich (vergoren) riecht, ist vermutlich etwas schiefgegangen. Der Fermentationsprozess dauert maximal 10 Tage, danach lohnt sich keine Verlängerung mehr. EM mit einem pH-Wert über 3,5 sollte auf dem normalen Kompost entsorgt werden.

Wir schaffen durch unsere Methode ein EM-Aktiv herzustellen, was über 9 Monate seinen pH-Wert behält. Sicherlich wird die mikrobielle Vielfalt in dieser Zeit abnehmen und Milchsäurebakterien dominieren. Dennoch haben wir ein hochwertiges Produkt, welches nicht zwingend nach einer Woche verbraucht sein muss. Bei der eigenen Mengenplanung sollte man jedoch immer so rechnen, dass das Ergebnis innerhalb von 3 Monaten verbraucht ist.