Schaufel&Gabel
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2020 ist ein spannendes Freilandanbaujahr

Für den Start unserer solidarischen Landwirtschaft und dem Gemüseanbau am Alpenrand haben wir uns ein spannendes Jahr ausgesucht. Vorsichtigerweise haben wir zur Betriebsgründung beschlossen das erste Jahr als Testjahr zu planen. Dadurch ist die Situation diese Anbausaison zwar spannend und zeitweise auch frustrierend, aber wir können unsere Ernteteiler bisher ohne große Einschränkungen trotz diverser Widrigkeiten jede Woche seit Anfang Mai beliefern.

Starkregen, Hagel und Überflutungen

Das Wetter spielt dieses Jahr eine spannende Rolle. Nach zwei deutlich zu trockenen Jahren, folgt dieses Jahr ein kontinuierlich zu Nasses. Zwar war der April relativ trocken, allein im Juni gab es hier im Oberland allerdings doppelt so viel Niederschlag wie das Maximum der letzten 30 Jahre, zum Durchschnitt sind es immerhin das 3,5-fache.
Bereits im April, Mai und Juni hatten wir ca. dreimal starke Gewitter mit Hagel, und Anfang Juli noch einmal Starkregen, Hagel mit Hochwasser und Überflutungen als Folge. Den benachbarten und befreundeten Selbstversorgergarten, den anderen Teil der sogenannten Kapellgärten, zu denen wir uns zusammengeschlossen haben, hat es beim letzten Hagel stark erwischt. Die fast fertigen Ernten sind nun zumindest teilweise dahin. Wir hoffen, dass das dort sehr gute, robuste Bodenleben so starke Pflanzen hervorgebracht hat, dass sie sich noch einmal gut erholen und nicht alles aus der ersten Ernte verloren ist.
Nun Anfang August gab es noch einmal nach einer trockenen Woche drei Tage Starkregen mit teilweise bis zu 70 Liter pro Quadratmeter an nur einem Tag. Glücklicherweise merken wir, dass unsere Bodenverbesserung Früchte trägt und nicht mehr so viel Staunässe vorhanden ist und der Boden besser abtrocknet und drainiert.

Temperatur und Feuchtigkeitsschwankungen

Das Gemüse muss durch den ständigen Wetter-, Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel viel aushalten. Problematisch ist hier auch das normal trockene Frühjahr während der Pflanzzeit. Denn die Jungpflanzen richten in dem Stadium ihr Wachstum aus, bilden entsprechend Wurzeln. Stellen sie sich nun auf Trockenheit und Hitze ein, es folgt aber wochenlang viel Regen und kühle Temperaturen, müssen sie ihr Wachstum verlangsamen, sich neu ausrichten, um zu überleben. Jeder apprupte Wechsel der Gegebenheiten bedeutet für nicht angepasste Kulturpflanzen (und das ist unser Gemüse, auch alte und robuste Sorten) Stress. Hier können wir zwar unterstützend eingreifen, indem wir zum richtigen Zeitpunkt den Boden hacken, gießen, mit Effektiven Mikoorganismen spritzen; ist es dennoch zu viel Stress, schaltet die Pflanze in einen Notmodus und stellt z.B. ihr Wachstum temporär ein oder wirft Früchte ab. Je mehr Stress eine Pflanze hat, desto kürzer ist auch ihre Kulturdauer. Dies kann man bei den Zuckererbsen gut sehen, die dieses Jahr ca. 2 – 3 Wochen kürzer beerntbar sind und früher abtrocknen. Der Ertrag war zwar sehr gut, das Erntefenster aber nur bei 3 Wochen, in unserem Gebiet (Alpenrand) in anderen Jahren gut auch mal doppelt so lang.

Südfrüchte

Bei Auberginen, Paprika, Pepperoni sieht man am Pflanzenstadium ganz gut, dass sie mit so viel Regen nicht sonderlich gut klarkommen. Sie sind anfällig für Schneckenfraß, wachsen kaum und sind auch im Juli diese Saison noch sehr klein geblieben, wenn sie sonst schon recht stattliche Pflanzen sind und Fruchtansätze haben.

Hier kann man ganz gut einen Vergleich ziehen: In Hochbeeten und Topfpflanzungen funktionieren diese Gemüsearten sehr gut dieses Jahr, im Freiland nicht und wir müssen sehen, ob wir überhaupt Ertrag haben.

Erst kürzlich las ich von einem anderen Betrieb in Baden-Württemberg, dass ihre (nicht Hybrid) Gewächshauskurken auf Grund der Witterung fast sämtliche Gurken abgeworfen haben und es unklar ist, ob überhaupt noch Ernte möglich ist. Spannend insofern, dass dies im geschützten Folientunnel passiert ist, der an sich Witterungsausgleichend wirkt und sichereren Ertrag als der Freilandanbau bietet. Unsere Gurkenpflanzen im Freiland wachsen aktuell sehr gut und hatten bis Ende August einen wunderbaren Fruchtansatz.

Moderne F1-Hybridsorten wachsen auch dieses Jahr im Freiland (nur rein von der Fruchtbildung und Fruchtgewicht) besser. Zu Gunsten des Sortenerhalts, aber auch der Qualität des Gemüses verzichten wir allerdings auf solche nicht samenfesten, gekreuzten Sorten. Dann gibt es eben dieses Jahr lieber keine südländischen Fruchtgemüse bei uns. Auch das gehört zu einem Projekt wie unserem: Wir versuchen eine möglichst große Vielfalt zu erreichen, nicht alles kann gelingen.

Schnecken — was tun?

Generell ist das Thema Schnecken dieses Jahr in Oberbayern ein großes und wir hören von vielen Gemüsegärtnern und Hobbygärtnern immer wieder, wie schlimm es dieses Jahr sei und was wir dagegen tun. Wir selbst verzeichnen aktuell ca. 1/4 Ertragseinbußen durch Schneckenfraß, nicht eingerechnet der Saatgutverlust durch den Fraß in der Jungpflanzenanzucht.

Die wohl bekannteste Methode lautet bei allen Absammeln und Schneckenkorn streuen. Unsere Fläche ist ein vor zwei Jahren neu augeschüttetes Grünland und Ackerland, das Bodenleben ist durcheinander und kann sich in so kurzer Zeit nur bedingt erholen. Unser Acker ist inmitten von einer verwilderten, “renaturierten” Hangfläche und einer Graswiese. Es leben dort so viele Schnecken, dass selbst Eimerweises Absammeln nicht einmal einen merklichen Unterschied für die Schneckenpopulation darstellt. Nur zehn Minuten später sind wieder gleich viele Tierchen auf dem Salat zu sehen. Absammeln ist also höchstens für die eigene Psyche hilfreich.
Schneckenkorn wäre eine weitere Option zur Bekämpfung von Schnecken. Die ökologische Variante basiert auf Eisen-III-Phosphat, einem für den Boden nicht sonderlich schädlichen Stoff. Schnecken fressen den Stoff und verenden durch die hohe Menge an für sie giftigen Stoffen. Abgesehen davon, dass die benötigten Mengen auf unserer Fläche den Anbau schnell unrentabel machen würden, gleicht dies einem Massenmord an Lebewesen. Zudem wird zwar temporär eine Lösung geschaffen, die Ursache für das Schneckenproblem aber nicht angegangen.

Schnecken haben ja in der Natur eine bestimmte Aufgabe: Sie verarbeiten faulendes Material und sorgen dafür, dass es in nützliches Material umgewandelt wird. Eigentlich sollten wir ihren Hinweis also ernst nehmen und uns überlegen, warum so viele Schnecken vorhanden sind. Wenn wir also Schnecken nachhaltig bekämpfen wollen, müssen wir dafür sorgen, das Fäulnis nicht entsteht. Dafür brauchen wir ein gesundes, stabiles Bodenleben sowie robuste Pflanzen und eine Milieusteuerung in Richtung positiv aufbauende fermentative Prozesse. Dies kann durch Kompostteegaben, Effektive Mikroorganismen, biodynamische Wirkstoffgaben und Arbeitsweisen geschehen. Wir gehen hierauf auch noch einmal näher in separaten Artikeln ein.

Statt teurem, temporär wirksamem Schneckenkorn setzen wir also auf Ursachenbekämpfung, auch wenn das aktuell bedeutet, dass wir mit einer Minderernte leben müssen. Wir sind aber überzeugt, dass diese Weitsicht der richtige Weg ist und sich auszahlt. Kommen wir zum benachbarten Selbstversorgergarten zurück: Hier wird seit 8 Jahren alles für einen gesunden Boden getan und voll und ganz wie bei uns auch auf das Terra Preta Konzept gesetzt. Auf diesem Acker sind kaum noch Schnecken zu finden und die wenigen, die da sind, verrichten nur ihre Arbeit und helfen uns Fäulnis zu beseitigen.

Zwischen-Fazit Mitte August

Es gab bisher in diesem Jahr viel spannende Situationen, ganz andere Witterung, ganz andere Bodenverhältnisse als wir in den letzten Jahren hatten. Dadurch haben wir sehr viel gelernt. Gleichzeitig heißt es aber auch nun die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, denn wir wissen ja nicht ob nächstes Jahr ein trockenes Jahr wie 2018 oder ein nasses wie 2020 werden wird. Für uns steht jedoch eins fest: All die Mühen und Extrakosten, den Boden zu verbessern haben sich auf jeden Fall jetzt schon gelohnt und werden sich auch in Zukunft bewähren. Der Bodenaufbau ist innerhalb weniger Monate (vier) viel besser geworden, das Wasserdrainage- und Wasserhaltevermögen sowie die Bodenbearbeitbarkeit hat sich drastisch verbessert. Einzig die Masse an Beikräutern ist noch viel zu hoch, da müssen wir sehen, dass wir das vorhandene Saatgut aus dem Boden bekommen und den Boden noch weiter in ein natürliches Gleichgewicht bekommen.